Solarenergie vs. Atomstrom: Wie gefährlich sind sie wirklich?
Die Aussage, Solarenergie sei gefährlicher als Atomkraft, sorgt immer wieder für Diskussionen. Auslöser ist unter anderem Georg Steinhauser, Professor für Radioökologie an der TU Wien, der laut Medienberichten behauptet, Solarenergie verursache mehr Todesfälle pro erzeugter Strommenge als Kernkraft. Doch was steckt hinter dieser Behauptung und was sagen die Daten tatsächlich?
Todesfälle pro erzeugter Strommenge was misst diese Kennzahl?
Zur Bewertung der Sicherheit verschiedener Energieformen wird häufig die Kennzahl "Todesfälle pro Terawattstunde (TWh)" genutzt. Sie berücksichtigt:
- Arbeitsunfälle
- Katastrophale Ereignisse
- Gesundheitliche Folgen durch Luftverschmutzung
Datenquellen wie Our World in Data zeigen: Solar-, Wind- und Atomenergie liegen insgesamt im sehr niedrigen Bereich. In manchen Berechnungen erscheint Solarenergie minimal schlechter als Atomkraft - allerdings aus einem klaren Grund: Die meisten registrierten Todesfälle entstehen bei Installationsarbeiten auf Dächern, nicht im Betrieb der Anlagen.
Aktuelle Durchschnittswerte:
- Solarenergie: ca. 0,02 Todesfälle pro TWh
- Kernenergie: ca. 0,03 Todesfälle pro TWh
Damit liegt Solarenergie sogar leicht unter Atomkraft.
Der große Unterschied: Fossile Energien
Ein völlig anderes Bild ergibt sich, sobald fossile Energieträger einbezogen werden:
- Kohle: über 20 Todesfälle pro TWh
- Öl: rund 18 Todesfälle pro TWh
- Gas: knapp 3 Todesfälle pro TWh
Der Hauptgrund ist nicht spektakuläre Unglücke, sondern die alltägliche Luftverschmutzung. Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide verursachen laut WHO weltweit Millionen vorzeitiger Todesfälle - meist unbemerkt, ohne mediale Aufmerksamkeit.
Atomkraft: Sicher im Betrieb, riskant im Extremfall
Die niedrigen Todesfallzahlen der Kernenergie beziehen sich auf den Normalbetrieb, der stark reguliert ist. Dennoch warnen internationale Organisationen wie die IAEA:
- Schwere Unfälle können nie vollständig ausgeschlossen werden
- Die Folgen solcher Ereignisse sind potenziell katastrophal
- Hochradioaktiver Abfall bleibt über Jahrtausende gefährlich
Diese langfristigen Risiken tauchen in der Kennzahl "Todesfälle pro TWh" nicht auf - sie sind aber real und sicherheitspolitisch relevant.
Solarenergie: Geringe Risiken, keine Katastrophenszenarien
Solarenergie verursacht keine großflächigen Umweltkatastrophen und produziert keine langlebigen, gefährlichen Abfälle. Die Risiken konzentrieren sich auf:
- Produktion der Module
- Baustellen und Installationen
- Elektrische Fehler bei unsachgemäßer Montage
Im laufenden Betrieb ist Solarenergie nahezu risikofrei.
Fazit: Ist Solarenergie gefährlicher als Atomstrom?
Die kurze Antwort lautet: Nein. Beide Energieformen gehören zu den sichersten überhaupt.
- Solarenergie verursacht im Durchschnitt weniger Todesfälle pro TWh als Atomkraft.
- Atomkraft ist im Alltag sicher, birgt aber einzigartige Extremrisiken, die statistisch kaum abbildbar sind.
- Fossile Energien sind im Vergleich um ein Vielfaches gefährlicher als alle erneuerbaren und nuklearen Quellen zusammen.
Für die Energiewende bedeutet das: Solarenergie bleibt eine der sichersten und nachhaltigsten Optionen - ohne die langfristigen Risiken der Kernenergie.